Und warum läufst du?

2010-07-17 08:00 (Kommentare: 0)

Ich habe Notizen gefunden, die ich im letzten Herbst gemacht habe, als ich noch regelmäßig bei Tageslicht Laufen war und dabei auch anderen Läufern begegnet bin. Vielleicht amüsiert sich der eine oder andere über meine Beschreibungen.

Beim Laufen begegnen mir sehr viele verschiedene Lauftypen. Meistens stelle ich mir dann die Frage, was sie dazu bringt die Laufschuhe zu schnüren und deren Profil über mehrere Kilometer in der Umgebung zu verteilen.

Der Freizeitläufer

… läuft weil Laufen cool ist und es irgendwie alle tun. Er zeichnet sich durch weite Trainingshose und Trainingsjacke/Kapuzzenpulli aus, welche ganz gerne auch nassgeschwitzt sein dürfen. Seinen Schuhe sieht man die regelmäßige Verwendung deutlich an.

In der Strecke ist der Freizeitläufer ein Gewohnheitstier und läuft regelmäßig seine Runde. Hierbei kommt es nicht so genau darauf an wie viel und wie schnell, sondern der Olympische Gedanke: Dabei sein ist alles steckt hinter der Motivation.

Eine spezielle Untergruppe der Freizeitläufer sind die "anderen Sportler", die das Laufen nur betreiben um zusätzlich Kondition und Ausdauer für ihr eigentliches Hobby zu bekommen. Dies lässt sich meist sehr leicht an den Aufdrücken diverser Sportvereine auf den Trainingsjacken ablesen.

Den Freizeitläufer sieht man vor allem bei gutem Wetter auf seiner Stammstrecke aber auch etwas Regen halten ihn nicht davon ab sich seinen Freizeitspaß zu gönnen. Er beachtet dabei auch seine Umgebung, grüßt andere Läufer freundlich und ist auch mal für ein Schwätzchen beim Laufen offen.

Der Fitnessläufer

… läuft weil Laufen gesund ist. Damit es das aber auch bleibt wird akribisch geplant. Von der Ernährung, der Anzahl der Läufe pro Woche über die Strecke bis zur benötigten Zeit wird das Programm abgespult. Dies sieht und riecht man auch an den enganligenden Laufklamotten die in den Wochenrythmus eingepasst gewaschen werden und sehr deutlich auf das Laufen ausgelegt sind.

Den Fitnessläufer trifft man zur geplanten Uhrzeit auf der geplanten Strecke. Er wird höchstens von sehr unwirtlichem Wetter abgehalten, wodurch der Lauf seiner Einschätzung nach mehr Schaden als Nutzen bringen würde. Von seiner Umgebung bekommt er leider nicht allzu viel mit, da er damit beschäftigt ist schon während dem Laufen die Daten zu analysieren, die ihm das Display seines Handgelenkcomputers übermittelt.

Der Vorsatzläufer

… läuft um Abzunehmen, das Gewicht zu halten, seine Kondition zu verbessern, … Neben meist unpassender Kleidung sowie ungeeigneter Schuhe zeichnet er sich durch intensives Beobachten anderer Läufer aus.

Den Vorsatzläufern begegnet man eher selten wieder, da sie den Vorsatz sehr schnell wieder ablegen oder in den selteneren Fällen zu den Freizeit- oder Fitnessläufern wechseln.

Ich grüße gequält dreinblickende Vorsatzläufer stets mit freundlichem Nicken um ihn zu motivieren, jedoch nicht in Verlegenheit zu bringen durch einen verbalen Gruß den dringend benötigten Sauerstoff zu verlieren.

Der sportorientierte Läufer

… läuft um des Laufens willen. Neben auf verschiedene Wetterzustände angepassten Klamotten und stets wechselnden Laufschuhen fällt er häufig durch seinen lockeren Laufstil auf, mit denen er andere Läufer überholt. Man könnte ihn auf Grund seiner Kleidung und dem Computer am Handgelenk mit einem Fitnessläufer verwechseln.

Tatsächlich unterscheiden sich diese zwei Lauftypen beim flüchtigen Hinschauen kaum. Beobachtet man etwas genauer, dann erkennt man den eher konzentriert bis entspannten Gesichtsausdruck auch bei hohem Tempo. Außerdem hat der Sportorientierte Läufer oft noch Kapazität und genug Luft für einen prüfenden Blick, kombiniert mit einen freundlichen Gruß. Der Computer am Handgelenk bleibt meistens unbeachtet, weiß der Sportler doch wie schnell er unerwegs ist und benötigt die Daten nur für Statistik und Trainingsplan.

Der "Sehen- und Gesehen-Werden" Läufer

… läuft um Aufzufallen oder seinem voyouristischen Vergnügen nachzukommen. Die Laufklamotten sind piek fein und der Waschmittelgeruch wird nur noch von dem des Deos oder Parfüms übertroffen. Er kündigt sich Fußgängern also schon per Geruchssinn an.

Neben seinen top Laufklamotten und den nicht abgenutzten Schuhen sitzt natürlich auch die Frisur und die Schminke perfekt, was schlichtweg damit zu tun hat, dass er sich an weibliche Vorsatzläuferinen heranpirscht oder sie einen möglichst guten Eindruck auf die Männerwelt machen möchte.

Da also die Laufintention das Publikum ist, läuft der "Sehen- und Gesehen-Werden" Läufer zu Zeiten und an Orten wo möglichst viel los ist um ein möglichst großes Publikum zu beeindrucken oder eine entsprechende Opferbandbreite zu haben. Hier in Ulm sind sie also bevorzugt bei gutem Wetter Nachmittags zwischen Donauwiese und Friedrichsau, sowie an der Uni anzutreffen. Natürlich findet man sie auch im Bus auf dem Weg zu einer der schon genannten Locations.

Eine Untergruppe der "Sehen- und Gesehen-Werden" Läufer sind die "Pseudo-Sportorientierten" Läufer. Diese sind zur selben Zeit an den selben Orten anzutreffen, wie die "Sehen- und Gesehen-Werden" Läufer, fallen aber durch ein enorm hohes Tempo auf, welches sie auch für ca. 500 Meter lange, Zuschauer gesäumte Strecke beibehalten, um dann locker trabend wieder 500 Meter zur nächsten Bushaltestelle zu kommen. Erfahreneren Läufern fallen diese durch den unmöglichen Laufstil auf, der schon aus gesundheitlichen Gründen auf längeren Strecken kaum durchzuhalten ist.

Der Geselligkeitsläufer

… läuft um nicht alleine zu laufen. Gesellschaft und Austausch sind wichtige Elemente dieses gemeinsam ausgeübten Sports. Oft sind Geselligkeitsläufer ursprünglich Vorsatzläufer, die ihre Freude am Laufen aus dem gemeinsamen Sport treiben und dem daraus resultierenden gesellschaftlichen Austausch haben.

Auch wenn der Gruppenzang durchaus effektiv ist, trifft man Geselligkeitsläufer häufiger bei gutem Wetter und nur sehr selten bei wirklich schlechtem Wetter an. Kleidungstechnisch bewegen sie sich zwischen den Freizeitläufern und den Fitnessläufern, auch wenn manche Ausnahmen in Richtung "Sehen- und Gesehen-Werden" ziehen. So sind Geselligkeitsläufer auch bei inhomogener Gruppenverteilung (keine erfahrenen Läufer dabei) leichte Opfer von "Sehen- und Gesehen-Werden" Läufern, da sie oft auch zur gleichen Zeit auf den selben Strecken unterwegs sind.

Diese Liste wird kontinuierlich erweitert und angepasst.

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