Tipps zum Organisieren großer Bildersammlungen: Anwendung

Tipps zum Organisieren großer Bildersammlungen: Anwendung

Digitale Bilder können inzwischen nicht nur mit Digitalkameras, sondern auch mit Ferngläsern, Handys, Smartphones, MP3-Player, … erstellt werden. Das Erstellen von Massen von digitalen Bildern ist inzwischen kein Problem, jedoch fehlt es häufig an einem sinnvollen System zum Organisieren dieser Datenmengen. Im Folgenden erkläre ich wie verschiedene Informationen, die in dem Bild enthalten sind, zur Organisation einer Bildersammlung verwendet werden können.


Ich weise darauf hin, dass ich weder Taxonomist noch Archivar bin, sondern die folgenden Beschreibungen lediglich meiner Erfahrung beim Umgang mit Bildersammlungen im privaten wie beruflichem Umfeld dokumentiere.

Im Artikel letzte Woche habe ich verschiedene Kriterien analysiert, anhand dessen sich Bilder organisieren lassen. Diese sind hier noch einmal tabellarisch gelistet:

Kriterium Zeit Ort Kontext Motiv Bewertung
Wie erstellt automatisch automatisch oder manuell manuell manuell, teils automatisch manuell
Charakter konstant meist konstant meist konstant dynamisch dynamisch
Verwendung Ordnerstruktur, Bildordner, evtl. Bildname Bildordner, evtl. Bildname Bildordner, evtl. Bildname Metadaten, evtl. Bildname Metadaten

Wie schon in den Beschreibungen im letzten Artikel und der obigen Tabelle angedeutet, eignen sich die einzelnen Bildeigenschaften für unterschiedliche Verwendungszwecke zur Organisation der Bildersammlung. Die Zeit hat ein eindeutiges Format, wird bei allen Bildern automatisch gespeichert und ist deshalb das sinnvollste Element für die Grundstruktur. Ob die Bilder anschließend in Ordnern nach Jahren, nach Jahren und Monaten oder nach Jahren, Monaten und Tagen geordnet werden, hängt ziemlich von der verwendeten Software bzw. der Menge der zu verwaltenden Bilder ab.

/2012/Bilderordner/          # nach Jahr

/2012/04/Bilderordner/ # nach Jahr und Monat /2012/04/03/Bilderordner/ # nach Jahr, Monat und Tag

Ich organisiere meine Bilder nach Jahren, benutze aber ein variiertes Schema, bei dem ich mehrtägige Exkursionen noch einmal zusammenfasse:

/2012/2012-03-27 Spaziergang Rebberg/

/2012/2012-07-01-07 Urlaub Franken/2012-04-01 Urlaub Franken Nürnberg/ /2012/2012-07-01-07 Urlaub Franken/2012-04-02 Urlaub Franken Bamberg/

Was auffällt, ist dass ich das Datum zusätzlich in den Namen des Bildordners schreibe, was auf den ersten Blick redundant erscheint. Das hat jedoch zum Einen den Vorteil, dass ich mir die Ordner in quasi jedem Tool zur Dateiverwaltung sortiert anzeigen lassen kann, zum Anderen dass ich auch einzelne Ordner rauskopieren und weitergeben kann, ohne den Überblick zu verlieren, was sich denn in diesem speziellen Ordner befindet. Aus diesem Grund habe ich auch Ort und Kontext in den Namen der Bilderordner aufgenomen, um die Grundstrukturen auch unabhängig von irgendwelchen Programmen verwalten zu können und – wie schon im letzten Artikel beschrieben – eine Orts- und Kontextangabe von unserem Gehirn einfacher zu interpretieren ist, als eine Datumsangabe.

Folgt man diesem Prinzip konsequent, so müsste auch jeder Dateiname diese Informationen beinhalten, also z.B. 2012-04-02-Urlaub-Franken-Bamberg-Benjamin-vor-Inselrathaus.jpg. Dies ist aber nicht nur recht aufwendig, sondern ist auf älteren Dateisystemen noch nicht einmal möglich (zu langer Dateiname). Da all diese Informationen jedoch auch als Metadaten im Bild selbst gespeichert sein sollten (siehe weiter unten), verzichte ich auf derartige Dateinamen und benenne sie bei Bedarf – z.B. im Falle eines Exports aus meiner Bildersammlung – automatisch mit um. Dies ist von daher relevant, da ich z.B. bei einer Veröffentlichung von Bildern im Internet die meisten Metadaten entferne und die Wichtigsten davor in den Dateinamen transferiere.

Das Problem mit den Ordnern

Die Grundstruktur einer soliden Bildersammlung besteht also aus einem Ordnersystem, welches sich aus konsequenter Anwendung von Datum+Zeitangaben, sowie Ort und Kontext zusammenstellt. Das Schöne daran ist, dass diese Struktur mit quasi jedem Betriebssystem kompatibel ist, unabhängig von Programmen ist und jedes einzelne Bild genau in einen Ordner einsortiert werden kann. Ein Bild muss also nicht mehrfach gespeichert werden, was auf Dauer große Mengen an Speicherplatz spart.

Baumstruktur zur Bildorganisation

Bilder werden am besten in hierarchischen Ordnersstrukturen gespeichert, die sich am Aufnahmedatum orientieren.

Leider sehe ich immer wieder Bildersammlungen, bei denen kein Ordnersystem auf Basis der beschriebenen Kriterien existiert, was auch einen triftigen Grund hat: Wie soll man denn in dem verschachtelten System schnell auf seine Lieblingsbilder zugreifen? Oder wo finde ich ganz schnell alle Bilder auf denen ich alleine drauf bin? Also gibt es einen Extra Ordner “Lieblingsbilder”, ein Ordner “Ich”, … und die entsprechenden Bilder werden mehrfach in verschiedenen Ordnern abgelegt. Dies führt aber sehr schnell zu einem unverwaltbaren Chaos!

Für diesen Zweck muss die Beschränkung auf hierarchische (Ordner-)Strukturen aufgehoben werden, indem ein Bildverwaltungsprogramm wie Picasa, digiKam, f-Spot, Shotwell, … eingesetzt wird. Es ist zu beachten, dass all die genannten Programme kostenlos zu verwenden sind, es gibt jedoch auch kostenpflichtige Programme mit einem ähnlichen oder umfangreicherem Leistungsspektrum. Diese Programme zur Bildverwaltung sind in der Lage mit so genannten “Tags” (auch Stichwörter, Schlagwörter, Markierungen, … genannt) Bilder aus unterschiedlichsten Ordnern mit einem gemeinsamen Merkmal zu versehen. Je nach Ausstattung des Programms lassen sich dann alle Bilder mit den Markierungen: “Favoriten”, “Benjamin”, “Urlaub”, also meine Lieblingsbilder mit mir als Motiv aus irgendeinem Urlaub, anzeigen.
Dynamische Struktur zur Bildverwaltung

Bilder können in Bildverwaltungsprogrammen mit hierarchisch angeordneten Stichworten versehen werden. Hieraus ergeben sich virtuelle Bildmengen, die sich gegenseitig schneiden…

Zu beachten: Es sollte nicht vergessen werden, das Programm anzuweisen (z.B. per Konfigurationseinstellung) die “Metadaten” auch in die Bilder zu schreiben. Werden sie nur in der Datenbank des Programms verwaltet, so ist nicht nur die Sicherung der Bilder mit den zugehörigen Daten schwieriger, das Programm lässt sich auch nicht austauschen!
Alternativ lassen sich von manchen Bildverwaltungsprogrammen die Metadaten auch in extra Dateien zu jedem Bild speichern, was gerade bei großen Bildbeständen einen Geschwindigkeitsvorteil bietet.

Programme zur Bildverwaltung bringen noch viele andere nützliche Funktionen mit, wie z.B. das Bewerten von Bildern nach unterschiedlichen Systemen, das Anzeigen von Bildern mit Geoinformationen auf einer Karte, das Suchen von ähnlichen Bildern, das Suchen von Bildern anhand einer Skizze, Automatische Gesichts und evtl. auch Personenerkennung… Es ist aber immer sinnvoll zu überprüfen, welche Daten alle in einem austauschbaren Format in den Bildern selbst gespeichert werden können. Ansonsten droht ein Datenverlust beim Umstieg auf eine neue Version, ein anderes Programm oder Betriebssystem.

Bewertungsstruktur zur Bildorganisation

Bildverwaltungsprogramme erlauben die Bewertung einzelner Bilder, die dann quasi in virtuellen Mappen gespeichert werden.

Zusammenfassung: Beim Organisieren einer Bildersammlung sollte man sich weder ausschließlich auf ein Programm verlassen, noch versuchen alle Aufgaben von Hand zu erledigen. Bei der Auswahl der Struktur zur Speicherung der (Bild-)Dateien muss unterschieden werden, zwischen konstanten (Zeit, Ort, Kontext) und dynamischen Daten (Motiv, Bewertung), sowie zwischen einfach vergleichbaren Daten (Zeit) und nicht einfach vergleichbaren Daten (restliche Daten). Wie beschrieben, sollten für die Grundstruktur einfach vergleichbare, konstante Daten verwendet werden, die mit weiteren konstanten Daten aufgewertet werden können um sie für Menschen besser interpretierbar zu machen. Dynamische Daten werden am Besten mit dafür geeigneten Bildverwaltungsprogrammen organisiert, welche die Daten zusätzlich in die Metadaten des Bildes abbilden können!

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