Digitale Spuren Teil 3: Bilder und andere Dateien

Digitale Spuren Teil 3: Bilder und andere Dateien

Eben habe ich Bilder von meinem Italienurlaub auf eine Internetplattform hochgeladen. Währenddessen hat mir ein Freund das neueste Album eines gemeinsamen Lieblingsinterpreten in Form von MP3-Dateien zugeschickt. Hierbei wurden nur Dateien verschoben, oder? Ein Bild ist ein Bild und Musikdateien eben Musikdateien…

Über die hier vorgestellten digitalen Spuren bin ich gestolpert, während ich verschiedene Programme, Tools und Techniken ausprobiert oder mich darüber informiert habe. Die Tools, sowie weiterführende Informationen sind im Anschluss verlinkt.

Ich nehme hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder unbedingte Korrektheit! Es gibt in der digitalen Welt nahezu unbegrenzte Möglichkeiten und Variationen. Die mögliche Existenz von digitalen Spuren bedingt nicht, dass diese auch missbraucht oder hinterlassen werden.

Welche digitalen Spuren sind in Bildern zu finden?

Digitale Bilder können beinahe von jedem aktuellen elektronischen Gerät erstellt werden. Ob mit dem Handy, SmartPhone, MP3-Player oder der Digitalkamera, alle hinterlassen dabei digitale Spuren in den Bildern. Auch die Programme, mit denen die Bilder anschließend verwaltet, überarbeitet oder für das Internet aufbereitet werden, hinterlassen Spuren in den Bilddateien. Für den normalen Betrachter ist ein Bild immer nur eine Anordnung von vielen kleinen bunten Farbtupfern. Wer jedoch hinter die Kulissen schaut, dem können Bilder einiges aus ihrer digitalen Lebensgeschichte erzählen.

Metadaten der Kamera

In verschiedenen Metaformaten sind verschiedenste zusätzliche Daten in den Bildern zu finden. Kameras verwenden meist das Exif-Format, aber auch IPTC und XMP sind Formate, die Zusatzinformationen für die Bilder enthalten können.

Mit Hilfe von Exiftool habe ich ein vor Jahren von mir gemachtes Bild vom Tennosee in Italien analysiert. Hier einige Ausschnitte interessanter Daten:

Canon Model ID:
PowerShot A85
Canon Firmware Version:
Firmware Version 1.00
File Number:
102-0208
Owner Name:

Das Bild habe ich also mit einer neuen Canon PowerShot A85 erstellt. Warum neu? Weil der interne Bildzähler gerade mal bei 208 steht und auch die Firmware noch in der Version 1.00 vorliegt.

Neben diesen eher allgemeinen Daten werden von der Kamera noch Bild spezifischere Daten wie Erstellungszeit und sämtliche Kameraeinstellungen in den Metadaten gespeichert.

Manche Bilder sind auch mit den exakten Ortsbestimmungsdaten versehen, die über ein internes oder externes GPS-Gerät bestimmt wurden. Diese sind dann selbstverständlich ebenfalls in den Metadaten zu sehen.

Metadaten von Programmen

Auch Programme mit welchen Bilder verwaltet oder verarbeitet werden hinterlassen digitale Spuren in den Bildern. Dies ist einerseits sehr praktisch, da so zum Beispiel die Zuordnung eines Bildes zu verschiedenen Bereichen nicht nur in der Datenbank des Programmes gespeichert ist, sondern auch in den Bildern selbst. Die Daten sind also unabhängig von der Verwaltungssoftware gespeichert. Andererseits kann auch jeder auf diese Daten zugreifen, der auf die Bilder zugreifen kann. Hier einige exemplarische Softwarespuren aus dem Beispielbild:

Software:
f-spot version 0.5.2.0
Creator Tool:
digiKam-1.2.0
Keywords:
Italien, Orte, See, Blau

In den Metadaten wird nicht nur die verwendete Software mit der genauen Versionsnummer gelistet, sondern auch persönliche Daten wie Bildkategorisierung, Kommentare, Bewertung…

Was kann mit Metadaten in Bildern anfangen werden?

Bilder werden bedenkenlos weitergegeben, in das Internet hochgeladen und quasi für jeden zugänglich gemacht. Über die Metadaten der Bilder werden jedoch ungewollt einige persönliche Informationen mit veröffentlicht. Werbetreibende, Stalker oder Ermittler können neben dem Kameramodell auch das Kaufdatum der Kamera abschätzen und die exakte Systemzeit (Uhrzeit, auf die die Kamera zur gegebenen Zeit eingestellt war) der Bildaufnahme bestimmen. Manche Kameras schreiben auch direkt lesbar die Seriennummer der Kamera in die Metadaten. In anderen Kameras könnten diese kodiert in einem der Metadatenfelder stehen -zum Beispiel in dem scheinbar leeren Owner Name-Feld- oder im Bild versteckt sein. Anhand der Angaben zur Kameraeinstellung sieht ein geübtes Auge auch schnell, ob der Fotograf die Einstellungen seiner Kamera im Griff hat, oder bevorzugt im Automatik-Modus knipst.

Aus den Daten lässt sich Ablesen Wann, Wo und mit welcher Kamera das Bild geschossen wurde und ob der Fotograf sich mit seiner Kamera auskennt. Haben Sie Ihre Kamera mit Karte bezahlt, im Internet bestellt, beim Hersteller registriert, von der Steuer abgesetzt oder einmal zur Reparatur gebracht? Wenn ja, dann könnte im Bedarfsfall auch noch das Wer bestimmt werden2.

Über die Datenspur, die die von mir verwendete Software in meinen Bildern hinterlassen hat, lässt sich herauslesen, dass ich vor einigen Jahren von Windows XP auf Linux gewechselt habe, zuerst F-Spot und anschließend DigiKam zur Verwaltung meiner Bilder benutzte, sowie Gimp zur Bearbeitung der Bilder. Weitere Informationen über mein Ordnungssystem, meine persönlichen Kommentare zu den einzelnen Bildern sind ebenso auszulesen…

Manipulation der Metadaten in Bildern

Sind Sie neugierig geworden und schauen gerade die Metadaten meiner Bilder durch? Diese sind im Vorfeld von mir mit JHead bereinigt worden und beinhalten nur noch von mir ausgewählte Daten. Die Metadaten geben also nicht zuverlässig Auskunft, da sie alle verändert oder gelöscht werden können. Manche Daten werden auch zum Beispiel beim Verkleinern entfernt oder überschrieben.

Es lassen sich auch Daten in den Bilddaten verstecken. Laden Sie doch das Beispielbild vom Petersplatz herunter und untersuchen Sie es mit StegHide. Das Passwort lautet 12345.Vorrübergehend gelöscht, neue Beispieldatei folgt in Kürze Da versteckt sich eine ganze Datei mit einer Nachricht zwischen den Bilddaten! Wie einfach muss es dann sein, eine triviale Seriennummer zu verstecken? Problematisch ist nur: beim Bearbeiten können Teile der versteckten Daten verloren gehen und sind somit nicht mehr rekonstruierbar.

Metadaten in anderen Dateien?

Auch in anderen Dateien gibt es Metadaten. Allgemein bekannt sind zum Beispiel die ID3-Tags, die Informationen über Titel, Künstler und Album einer MP3-Datei enthalten. Wie für Bilder gilt hier jedoch auch: es können weitere Daten gespeichert werden wie zum Beispiel die Bewertung, Anzahl der Wiedergaben, Musikplayer oder Daten über die Herkunft. Schnell lassen sich in normalen MP3-Dateien Felder mit Kommentaren finden, die von legalen oder eben illegalen Quellen im Internet gesetzt wurden.

Fazit

Viele verwendete Dateiformate besitzen Metadaten, die weitere Informationen über die Datei liefern. Diese Informationen sind wichtig, da sonst viele Dinge nicht -oder zumindest nicht so gut/schnell/präzise/komfortabel- erledigen werden könnten. In dem Moment in dem diese Dateien an Andere weitergegeben werden, werden auch die -teilweise persönlichen- Metadaten weitergegeben. Sollte dies nicht gewünscht sein, so gibt es Möglichkeiten diese im Vorfeld zu bereinigen oder diese getrennt von den Dateien zu speichern..

In dem fiktiven Beispiel im Vorwort wurden nicht einfach nur Bilder in das Internet geladen, sondern auch detaillierte Auskünfte über die Foto-Ausrüstung und den Urlaub preisgegeben. Je nach dem sind auch persönliche Kommentare zu den Bildern dabei. Richtig peinlich kann es werden, wenn in einem zugeschnittenen Bild das in den Metadaten gespeicherte Vorschaubild nicht aktualisiert wurde und die eigentlich zensierten Bildbereiche -z.B. nackte Tatsachen- trotzdem noch verfügbar wären1. Und was ist mit den Musikdateien? Sind da Kommentare zu finden wie Download from *** oder eine Identifikationsnummer, die Rückschlüsse auf den tatsächlichen Käufer zulässt? Bei digitalen Spuren geht es also nicht unbedingt darum was man sieht, sondern eher darum, was scheinbar versteckt in den Dateien liegt.

Ausblick: im vierten Teil dieser Reihe geht es um digitale Spuren die Peripheriegeräte wie Drucker oder Brenner hinterlassen können.

Quellen und weiterführende Informationen

Tools

  1. ExifTool zum Betrachten, Bearbeiten und Setzen von Metadaten in Bildern
  2. ExifTool mit GUI für Windows
  3. JHead zum Entfernen von Metadaten aus Bildern
  4. StegHide zum Einbetten von Dateien in Bildern

Weiterführende Informationen

  1. PiratenPartei: HowTo Metadaten digitaler Fotos
  2. Exif auf Wikipedia
  3. XMP auf Wikipedia
  4. ID3 auf Wikipedia
  5. IPTC auf Wikipedia

Nachrichtenquellen

  1. 16.02.2005 10:57 Verräterische JPEGs
  2. 20.07.2007 11:23 Canon will Harry-Potter-Fotografen anhand von Metadaten ermitteln

Trackbacks/Pingbacks

  1. Tipps zum Organisieren großer Bildersammlungen: Kriterien | Benjamin Meier - […] Digitale Bilder sind mehr als nur Farbinformationen, sie beinhalten zusätzlich Metainformationen, die zur Organisation von Bildersammlungen genutzt werden können …
  2. Bilder mit ExifTool für die Veröffentlichung im Internet aufbereiten | Benjamin Meier - […] diesem Artikel habe ich verschiedene Metadaten vorgestellt, die oft unbewusst zusammen mit den Bildern […]

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>