Digitale Spuren Teil 2: Mailen

Digitale Spuren Teil 2: Mailen

Freitagabend, 21.00 Uhr: ein Kollege schickt mir eine E-Mail und bittet um Rat bei einem Problem mit seinem E-Mailprogramm. Sofort stellen sich mir einige Frage: welches E-Mailprogramm verwendet er und wo ist er gerade? In seinem Büro, zu Hause, über das Wochenende bei seinen Eltern in Thüringen oder bei seiner Freundin in München? Ich verzichte um eine Nachfrage… seine E-Mail teilt mir alle benötigten Informationen mit.

Über die hier vorgestellten digitalen Spuren bin ich gestolpert, während ich verschiedene Mailprogramm-Erweiterungen, Tools und Techniken ausprobiert oder mich darüber informiert habe. Die Tools, sowie weiterführende Informationen sind im Anschluss verlinkt.

Ich nehme hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder unbedingte Korrektheit! Es gibt in der digitalen Welt nahezu unbegrenzte Möglichkeiten und Variationen. Die mögliche Existenz von digitalen Spuren bedingt nicht, dass diese auch missbraucht oder hinterlassen werden.

Orts- und Programmdaten

Jedes E-Mailprogramm und jeder Server über die eine E-Mail weitergeleitet wird hat die Möglichkeit die E-Mail zu verändern. Neben Informationen über das verwendete E-Mailprogramm, sind auch häufig Informationen vorhanden, über welche Stationen die E-Mail weitergeleitet wurde. Am Ende sind exemplarisch drei Addons für Thunderbird gelistet, die mit Hilfe dieser Daten versuchen zu bestimmen mit welchem Programm die E-Mail geschrieben wurde, aus welchem Land und welcher Stadt die E-Mail ursprünglich abgeschickt wurde und welche Wege sie genommen hat:

Für diese Daten gilt, wie bei so vielen digitalen Daten, dass sie alle geändert werden können. So kann unter anderem auch der Absender verändert werden. Zur Überprüfung des Absenders und Korrektheit der Inhalte der E-Mail gibt es verschiedene Möglichkeiten -zum Beispiel PGP- die jedoch kaum genutzt werden.

Namen und Empfängerlisten

Manchmal bringen E-Mailprogramme den Schreiber aber auch in Verlegenheit. So wird zum Beispiel nicht nur die E-Mailadresse des Empfängers aus dem Adressbuch gelesen, sondern auch der im Adressbuch eingetragene Name mit eingefügt, welcher wiederum vom Empfänger ausgelesen werden kann. Also aufpassen welche (Kose-)Namen im Adressbuch eingetragen werden.

Ebenso problematisch ist es, wenn eine E-Mail an mehrere Empfänger geschickt wird, und deren Adressen alle in das An- oder auch To- bzw. Kopie oder CC-Feld geladen werden. Jeder Empfänger erhält mit dieser E-Mail eine vollständige (E-Mail-)Adressliste der anderen Empfänger inklusive der Namen aus dem Adressbuch. Je nach Größe der Empfängerliste -zum Beispiel private E-Mailadressen aller Firmenmitarbeiter- bzw. verwendeten Namen im Adressbuch -zum Beispiel Schatzi, Mausi, Idiot, seltsamer Kerl…- sind solche E-Mails nicht nur peinlich, sondern ein grober Verstoß gegen den Datenschutz. Für solche Fälle gibt es die Möglichkeit von E-Mailverteilern oder das Feld für die Blindkopie -auch BCC genannt, bei dem die Empfängerliste vor dem Versenden aus der E-Mail entfernt wird.

Probleme mit HTML-Mails

Zusätzlich zu den Hochglanzbrochüren im Briefkasten finden sich inzwischen auch elegant aufgearbeitete HTML-Newsletter im digitalen Briefkasten. In den Hochglanzbrochüren gibt es manchmal Gutscheine, die die Kunden dazu animieren sollen, die Angebote wahrzunehmen und eine Möglichkeit bieten den Kundenkreis zu analysieren. HTML-Mails sind dafür jedoch um einiges besser geeignet.

Viele bunten Bilder motivieren nicht nur zum Kauf, sie sind auch meistens gar nicht in der E-Mail direkt dabei. Sie werden von dem Server des Absenders nachgeladen. und es gelten ähnliche Probleme, wie auch schon im Teil 1: Surfen im Internet beschrieben. Nutzt man eine Online-Weboberfläche, so befindet man sich schon in einem Browser. Nutzt man ein lokal installiertes Programm auf seinem Computer, so lädt dieses die Bilder nach und übermittelt wie beim Digitalen Fingerabdruck beschrieben den User-Agent. Über die IP lässt sich außerdem eine ungefähre geolokale Bestimmung des Empfängers vornehmen.

Mit Hilfe von HTML-Mails lässt sich aber nicht nur bestimmen in welchem Gebiet sich ein Empfänger ungefähr aufhält und welche Programme oder Anwendungen er zum Lesen seiner E-Mails verwendet, sondern auch für was er sich interessiert. Durch zusätzliche Daten in den in der Mail eingebetteten Links oder Auswertung des Referrers kann bestimmt werden, welcher Empfänger auf welchen Link in welchem Newsletter geklickt hat. Ein Link wie Schuhe, kann auf schuh-shop.php?id=a22b34 verweisen. Dabei könnte a22 für den Empfänger 22 und b34 für den Newsletter Nummer 34 stehen.

Fazit

Beim Verfassen von E-Mails zeigt sich eine Problematik von der Gewöhnung an GUIs, die eine Computernutzung ohne jegliches Wissen der Funktionsweise der angebotenen Dienste ermöglichen. Fahrlässig werden Informationen verteilt, die sich mit nur geringfügigem Mehraufwand weiterhin hätten schützen lassen. Es fehlt jedoch an einem verantwortungsbewussten Bewusstsein zum Umgang mit digitalen Daten.

Ausblick: im dritten Teil dieser Reihe geht es um digitale Spuren in Bild-, Musik- und anderen Dateien.

Quellen und weiterführende Informationen

Tools

  1. Herkunftsland und Stadt anzeigen
  2. Mailroute anzeigen
  3. Mailprogramm des Absenders anzeigen

Weiterführende Informationen auf Wikipedia

  1. PGP
  2. User Agent

1 Kommentar

  1. Interessant! Ich werde in Zukunft etwas näher hinschauen.

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