Besichtigung der Baustelle zum integrierten Rheinprogramm bei Kleinkems

2011-07-10 11:45 (Kommentare: 0)

Bagger bei der Baustelle auf Höhe Kleinkems
Bagger bei der Baustelle auf Höhe Kleinkems

Am 08. Juli lud das Regierungspräsidium Freiburg von 14.00 bis 18.00 Uhr zur Besichtigung der Baustelle zum integrierten Rheinprogramm bei Kleinkems ein. Schon vor über 15 Jahren war der 90 Meter-Streifen Thema bei mir im Heimat- und Sachkunde Unterricht der Grundschule. Seither war das inzwischen integriertes Rheinprogramm getaufte Projekt auch immer wieder Thema in der Zeitung und bei örtlichen Informationsveranstaltungen. Den Tag der offenen Baustelle nutzte ich daher gerne, um mir ein Bild von der praktischen Umsetzung dieses Langzeitprojektes zu verschaffen.

 
 

Blick rheinabwärts auf die Baugrube bei Kleinkems Panoramablick über die Baustelle bei Kleinkems Blick rheinaufwärts über die Baugrube bei Kleinkems
Bilder von der Baugrube zum integrierten Rheinprogramm bei Kleinkems
Grundwasserprüfloch
Grundwasserprüfloch

Aus dem ursprünglich durchgängig geplanten 90 Meter-Streifen wurden nun mehrere getrennte Teilflächen. Zur Besichtigung offen war an diesem Freitag die Teilfläche 3 auf Höhe Kleinkems. In den zwei Stunden, in denen ich vor Ort war, bestand das Publikum hauptsächlich aus Vertretern der Presse, Representanten verschiedener betroffener Vereine und Gruppierungen, sowie zu Beginn Bürgermeister Wolfgang Fürstenberger und Isteiner Ortsvorsteher Franz Kiefer. Wie üblich vermisste ich mehr Interessierte aus meiner Altersgruppe (plusminus 15 Jahre!), die hier die Möglichkeit hätten, die Neugestaltung und Entwicklung des Rheinufers langfristig zu erfahren. Durch die Bauplanung und über die Baustelle führten mehrere verantwortliche Ingenieure, sowie auch ein beteiligter Biologe vom Institut für Landschaftsökologie.

Neben vielen interessanten Planungsdetails, wurden Fragen erörtert, Prognosen zur weiteren landschaftlichen Entwicklung gegeben und neue Probleme erklärt. Inzwischen habe ich auch direkte, bzw. indirekte Antworten auf Fragen, die mich teilweise schon seit der Grundschule beschäftigen und die bei den Informationsveranstaltung im Vorfeld nicht konkret beantwortet wurden.

Was passiert mit der Vegetation im Überschwemmungsgebiet?

Schutzwall
Schutzwall

Bis sich die Vegetation stabil entwickelt hat, werden Schutzwälle zum Rhein stehen gelassen. Das bewirkt unter anderem, dass das Gebiet zwar überschwemmt wird, jedoch nicht die volle Kraft des Stroms abbekommt und sich die Vegetation gut entwickeln kann. Später sollen diese Schutzwälle dann entfernt werden. Überaus begeistert zeigten sich die Ingenieure über die schon in der Baustelle wachsenden Pappel- und Weidenkeimlinge. Dies beantwortet eine Frage, die sich für viele Interessierte schon durch die ganze Informationsphase zieht: Wird sich die Vegetation wie gewünscht natürlich entwickeln? Erste Praxisbeobachtungen betätigen die ersten Schritte dazu, definitive Aussagen gibt es aber erst in ca. zehn Jahren.

Was wird aus dem Leinpfad?

Ausfluss des Rückhaltebeckens bei Kleinkems
Ausfluss des Rückhaltebeckens bei Kleinkems

Der Leinpfad führt von Basel bis zu den Niederlanden am Rhein entlang und ist sehr beliebt bei Radwanderern. Durch das Herabsenken des Rheinufers, verläuft auch der Leinpfad nun im Überflutungsgebiet. Wer kümmert sich dann um die Instanthaltung? Zu dem alten Leinpfad gibt es im Bereich der abgesenkten Flächen eine gut ausgebaute, parallele Alternativroute. Diese verläuft jedoch nicht mehr fünf bis zehn Meter neben dem Rhein, sondern zwischen Weil und Kleinkems fünf bis zehn Meter direkt neben der Autobahn. Landschaftstechnisch ein schlechter Tausch, der zwar durch Erdwälle und Bäume als Sichtschutz gemildert werden soll, dem Leinpfad hier in der Gegend stellenweise aber einiges von seiner Schönheit nimmt. Für den alten Leinpfad ist nach wie vor das Fluss- und Schiffahrtsamt zuständig, welches diesen für den Eigenbedarf instant hält. Es gibt den Treidelpfad am Rhein für Radwanderer also noch, er wird mit der Alternativroute auch durchgängig nutzbar sein, es wird aber nicht mehr so idyllisch sein wie früher der Treidelpfad.

Was wird mit den Tieren in den Überflutungsflächen?

Schwäne in ruhigem Gewässer
Schwäne in ruhigem Gewässer

Vor der Umsetzung des integrierten Rheinprogramms hatten die Tiere zwischen Autobahn und Rhein einen mindestens 50 Meter breiten Waldstreifen um sich zu verstecken. Durch die Absenkung der Flächen gibt es zwischen (Fahrrad-)Weg und Autobahn einen teilweise nur noch zehn Meter breiten Waldstreifen, und eine momentan noch sehr lichte, potentielle Überflutungsfläche zwischen (Fahrrad-)Weg und Rhein. In dem großteils schon fertigen Gebiet zwischen der Kandermündung und den Isteiner Schwellen hatte das zur Folge, dass regelmäßig Wildscheine auf der Autobahn waren, was durch Wildschutzzäune eingedämmt wurde. Eine generelle Einzäunung der Autobahn - wie es z.B. in Frankreich der Fall ist - gibt es wohl nur in Bereichen, die sich als Gefahrenzonen etabliert haben. Die Bildung von neuem Lebensraum auch für Großwild direkt neben der Autobahn, wird bisher nicht in Form von Schutzmaßnahmen berücksichtigt. Wo aber verstecken sich die Waldbewohner im Falle einer Überflutung, oder wenn sie von Spaziergängern evtl. mit Hund aufgeschreckt werden? Und wie rechtfertigt sich ein Hundebesitzer, dessen Hund durch pure Anwesenheit verschrecktes Wild auf die Autobahn bringt? Als Rückzugsraum vorgesehen sind laut Informationsbrochüre die dicht bepflanzten Ostseiten der Schutzwälle, also die zur Autobahn gelegene Seite.

Fazit

Aussichtsplattform aka Spannerbrueckle
Aussichtsplattform aka Spannerbrueckle

Das integrierte Rheinprogramm ist bisher weder die prophezeite Katastrophe noch das beworbene vorbildliches Vorzeigeprojekt. Leider ist es für mich zeitlich unmöglich, mich wirklich umfangreichst mit dem Thema zu beschäftigen, sonst könnte ich noch viele weitere Aspekte berücksichtigen. Als inadäquat empfinde ich die Werbung für die Besucherplattform Isteiner Schwellen (aka Spannerbrückle), welche in einer Informationsbrochüre zum integrierten Rheinprogramm als Erholungseinrichtung und Ausgleichsmaßnahme verkauft wird. Wenn sich die Kandermündung und die einzelnen Teilflächen tatsächlich so positiv entwickeln wie vorhergesagt und das Naherholungsgebiet in einigen Jahren wieder als solches zugänglich sein wird, ist der status quo wieder erreicht. Bis dahin ist das eher kritisch betrachtete Spannerbrückle mehr als unzureichend, um als Ausgleichsmaßnahme beworben zu werden. Die Entwicklung des integrierten Rheinprogramms werde ich weiterhin mit Spannung verfolgen, und dabei das Beste für Mensch und Natur hoffen, wobei sich die positive Erwartungshaltung, der am Tag der offenen Baustelle beteiligten Ingenieure, auch auf mich übertragen hat.

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