Benjamin Meier studiert Biochemie und Informatik mit Nebenfach Medizin. In diesem Blog schreibt er über seinen Alltag als Vollzeitstudent. Als Informatiker und Naturwissenschaftler hat er dabei ein recht breites Spektrum, über das sich zu schreiben und reflektieren lohnt. Nebenbei hat er in drei Jahren als Semester- und später Studiengangssprecher, sowie Wochenendszugpendler das eine oder andere interessante Gespräch mit anderen Studenten mitgenommen.
Verständnislosigkeit: wie Dozenten Studenten verwirren
2011-08-21 12:00 (Kommentare: 0)
Es gibt sie wirklich, die Vorlesungsstunden, die plötzlich vorbei sind und die Dozenten, die eine Blackbox nach der anderen erhellen. Genauso gibt es aber auch direkte und subtile Möglichkeiten uns Studenten ernsthaft zu verwirren anstatt die Themen verständlich aufzubereiten. Hier einige beispielhafte Szenen aus dem Studentenalltag:
Erlebnisse in der Biologie
Wer kennt das nicht schon aus der Schule: fünf Minuten vor Unterrichtsende ist die Tafel (beinahe) voll und der Lehrer nutzt jede freie Ecke für letzte schriftliche Anmerkungen. Richtiges Unverständnis erzeugte jedoch ein Dozent aus der Biologie, als er kurz [30 Minuten] vor der Pause
keine Tafel wischen wollte und deshalb den weiteren Aufschrieb in gelb einfach über den Vorherigen setzte. Der Aufschrieb nach der Pause erfolgte dann in blau, auf der nach wie vor ungewischten Tafel. Wer dem nicht folgen könne, der könne ja das Lehrbuch des Dozenten bei Amazon bestellen. Eindeutig noch zeitsparendere Verwirrung schaffte ein Dozent aus der selben Abteilung mit Overhead-Folien: anstatt sie auszutauschen stapelte er sie einfach, bis selbst das Projektionslicht nicht mehr zu sehen war. Scheinbar litt die ganze Abteilung unter Zeitdruck, denn auch die letzte Dozentin dieser Abteilung förderte in ihrer Vorlesung kein Verständnis für das Thema. Mit einer Geschwindigkeit von zwölf gefüllten Powerpointfolien pro Minute halbierte sie die für das Thema angesetzte Vorlesungszeit. Anstelle der Folien oder eines Skriptes gab es eine Literaturliste mit Fachliteratur zum selbstständigen Erarbeitung der Themen. Hat man es geschafft die Überschriften mitzuschreiben, so hatte man durchaus auch eine Chance die relevanten Themen in den umfangreichen Fachbüchern zu finden, sofern man das Glück hatte eines der wenigen Exemplare ind er Bibliothek zu ergattern.. Wirklich schwierig waren jedoch die Themen einer anderen Powerpointpräsentation zu erarbeiten (selbe Abteilung). Außer unbeschrifteten Bildern und der allgemeinen Quellenangabe Forschung, Google und Wikipedia
enthielten die Folien jediglich das Datum der Vorlesung.
Erlebnisse in der Medizin
Manche Medizinervorlesung war einfach anders. Ein für mich total untypisches Statement eines Dozenten war zum Beispiel: Da sie den folgenden Teil sowieso nicht verstehen werden, verzichte ich auf eine Erklärung und habe Ihnen hier die entsprechenden Kapitel aus den Lehrbüchern mit Seitenzahlen aufgelistet.
Andere formulierten das auch etwas direkter: Zu dem Thema finden Sie im … eine gute Grafik/Tabelle zum auswendig Lernen.
Ergänzung: Es gab durchaus auch einige enttäuschte Kommilitonen aus dem medizinischen Bereich, die über solche Einlagen alles andere als erfreut waren!
Erlebnisse in der Informatik
In der Informatik wurde ich bisher eher auf subtile Art und Weise verwirrt. Hier folgen Codeausschnitte aus einer Funktion:
private int someFun(int[] array, int start, int end) { // private Dekleration, int[] Arrays…
// könnte Java oder C++ zu sein
if (end < array.length) { // In C++ kein length Attribut für int[], also Java
bool found = false; // bool ist aber ein C++ Typ, In Java wäre das boolean
int tmp = array[0]; // Wie erwartet beginnt die Indizierung der Arrays bei 0
swap(array, 0, end); // Einfacher Funktionsaufruf, 0 entspricht erstem Element
for (int i = 2; i <= array.length; i++) { // Schleife läuft bis zu array.length?
[…] // Indizierung scheint hier bei 1 zu beginnen
// es wird also nur das erste Element übersprungen
}
tausche(0 und ende); // Plötzlich Pseudocode? Gleiche Bedeutung wie swap weiter oben?
for j in [1, array.length] // Andere Schleife, erinnert an Programmiersprachen wie Python…
[…] // Bedeutung kann unterschiedlich sein:
// [1, x] (mit x),
// [1, x[ (ohne x) oder
// {1, x} (Menge mit Elementen 1 und x)
// wird das erste Element berücksichtigt oder nicht?
} […]
}
Wie aus den Kommentaren deutlich wird, ist es zum Verständnis dieses Codebeispiels notwendig per Ausschlussverfahren die richtige Bedeutung einzelner Zeilen zu erschließen, oder andere Beispiele zu besorgen…
