Benjamin Meier studiert Biochemie und Informatik mit Nebenfach Medizin. In diesem Blog schreibt er über seinen Alltag als Vollzeitstudent. Als Informatiker und Naturwissenschaftler hat er dabei ein recht breites Spektrum, über das sich zu schreiben und reflektieren lohnt. Nebenbei hat er in drei Jahren als Semester- und später Studiengangssprecher, sowie Wochenendszugpendler das eine oder andere interessante Gespräch mit anderen Studenten mitgenommen.
Semesterferien: Büffeln statt Baggersee
2011-08-14 18:30 (Kommentare: 0)
Nach einer Woche nutze ich die Gelegenheit einen ersten Blogeintrag rauszuschreiben: Sommersemesterferien, ein toller Begriff der Freude bei Studenten und Neid bei Nicht-Studenten weckt. Dieses Jahr beginnt die vergnügliche Zeit für mich am 06. August und geht bis zum 23. Oktober. Das sind elf Wochen in denen wir Studenten entspannen (neudeutsch chillen), die Innenstädte bevölkern, sowie die Baggerseen und Urlaubsorte füllen könnten. Außerdem wäre theoretisch genügend Zeit, um Geld zu verdienen um sich sein Studium zu finanzieren. Zumindest trifft das für einen Teil der Studenten zu… der Rest nennt diese Zeit explizit vorlesungsfreie Zeit und verbringt sie auf nicht ganz so vergnügliche Weise.
Als Naturwissenschaftler stand ich in dieser Zeit vier bis fünf Wochen ganztags (8-17/20 Uhr) im Labor um dann abends Protokolle zu schreiben, die morgigen Versuche durchzugehen und mich auf das tägliche Kolloquium vorzubereiten: Laborkittel statt Baggersee, Schreibtisch statt Biergarten!
Seit ich mich tiefer mit der Informatik beschäftige bleiben meine Laborkittel im Schrank hängen, aber auch in der laborfreien Zeit haben Vollzeitstudenten genügend zu tun. Eine kleine Hochrechnung: durchschnittlich habe ich als Bachelorstudent vier bis fünf Prüfungen pro Semester, mit einer durschnittlichen Vorbereitungszeit von theoretisch jeweils größer zwei Wochen. In diesem Semester habe ich sieben Prüfungsleistungen zu erbringen (eine Präsentationsprüfung, ein Programmierprojekt - vergleichbar mit einer Hausarbeit bei den Geisteswissenschaften -, eine Multiple Choice-Klausur, eine mündliche Prüfung und drei schriftliche Klausuren). Die ersten drei genannten Prüfungsleistungen habe ich parallel in der Vorlesungszeit erledigen können, bleiben noch die vier großen Prüfungen, also grob acht Wochen Vorbereitungszeit zwischen dem 08. August und dem 30 September, welches bei mir den letzten Prüfungstermin darstellt. Knapp kalkuliert aber könnte funktionieren: Durchpauken von Anfang August bis Ende September!
Bleiben noch etwa drei Wochen freie Zeit im Oktober, welcher nicht unbedingt in der bevorzugten Urlaubszeit liegt und eigentlich dazu genutzt werden könnte den neuen Studenten den Einstieg in das Studentenleben zu erleichtern…
Dies ist ein sehr konkretes Fallbeispiel und es gibt durchaus Studiengänge, deren Studenten bis zum Bachelor weniger Prüfungen absolvieren müssen, als ich normalerweise in einem Semester, da Prüfungsleistungen in diesen Studiengängen hauptsächlich in Form von Hausarbeiten erbracht werden. Auch hält sich der Mythos der 4.0 gewinnt-Mentalität (Hauptsache bestanden-Einstellung). Mit der Bologna-Reform steht jedoch jede meiner Prüfungsnoten im Zeugnis und jede nur bestandene Klausur senkt nicht nur den Notendurchschnitt, sondern auch die Wahrscheinlichkeit überhaupt in einem Masterstudiengang weiterstudieren zu können, der jedoch häufig als niedrigst qualifizierender Abschluss für den Berufseinstieg angesehen wird.
Trotzdem ist der Prüfungszeitraum in diesem Semester für mich wirklich angenehm. Habe ich doch den Vergleich zu anderen Semestern, in denen ich zehn Prüfungen innerhalb von vier Wochen zu absolvieren hatte (die Durchfallquote lag teilweise bei 100 statt 0 Prozent). Deshalb nutze ich die Gelegenheit ein neues Lernkonzept auszuprobieren und hier darüber zu bloggen.
