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Benjamin Meier studiert Biochemie und Informatik mit Nebenfach Medizin. In diesem Blog schreibt er über seinen Alltag als Vollzeitstudent. Als Informatiker und Naturwissenschaftler hat er dabei ein recht breites Spektrum, über das sich zu schreiben und reflektieren lohnt. Nebenbei hat er in drei Jahren als Semester- und später Studiengangssprecher, sowie Wochenendszugpendler das eine oder andere interessante Gespräch mit anderen Studenten mitgenommen.

Angst vor der Pause: ein Blogeintrag über wertvolle Zeit

2011-08-29 18:00 (Kommentare: 0)

Jeder kennt sie und alle mögen sie: die Pause. Als Kaffeepause, Raucherpause oder auch als Mittagspause ist sie Bestandteil eines normalen Tagesablaufes. Aus Ratgebern unterschiedlichster Natur ist sie nicht wegzudenken: Unterbrechung, Erholungsphase, Regenerationszeit… sehr wichtig, nicht zu unterschätzen, wichtigste Einheit überhaupt… Aber gerade in Lernphasen schaue ich der Pause mit ambivalenten Gefühlen entgegen. Lockt sie doch mit so viel angenehmeren Dingen als das Lernen. Deshalb hier ein Blogeintrag über die Pause.

Eigentlich sollte ich mir beim Lernen so manchen Raucher als Vorbild nehmen. Ich habe sogar die eine oder andere Person kennen gelernt, die nur in Lernphasen zum Raucherdasein zurückkehrt. Warum habe ich gefragt? Tja, so alle 45 bis 90 Minuten mal kurz entspannen, die Beine vertreten, an die frische Luft, an etwas anderes Denken, Stress abbauen und danach wieder motiviert zurück an die Arbeit. Und wenn es gerade ziemlich kompliziert ist, kurz raus, eine rauchen und plötzlich löst sich der Knoten? Ein Anreiz für mich, mir Gedanken darüber zu machen, wie ich meine Pause verbringen möchte, und zwar ohne zu rauchen!

In Lernphasen verbringen wir Studenten unsere Zeit mit allerlei seltsamen Dingen. Manche fangen plötzlich an die Wohnung zu putzen, Vorhänge zu waschen, alte Unterlagen zu sortieren, während sich so mancher Arbeitsplatz mit Unterlagen, Schmierpapier, Notizzetteln, Büchern und leeren Essbehältern füllt. Andere fangen zum Ausgleich an sich intensiv und regelmäßig sportlich zu betätigen oder sind permanent in sozialen Netzwerken oder Chatprogrammen verfügbar. Ganze Staffeln beliebter TV-Serien werden in der Lernzeit angesehen und das eine oder andere Kilo landet dank der Kombination aus ständig sitzender Tätigkeit und Nervennahrung auf der Hüfte. Ebenso werden neue Rekorde im Highscore diverser Computerspiele aufgestellt, und die Präsenzzeiten in Online Multiplayer Spielen ist drastisch erhöht. Sicherlich habe ich die eine oder andere Beschäftigung vergessen, denen sich Studenten hingeben während sie ja eigentlich mitten in der Lernphase stecken. Das lässt sich sicherlich auch psychologisch begründen von wegen Entspannung, Belohnungssystem, Ausgleichs-, Verdrängungs-, oder Fluchtverhalten. Aber wie kommt es denn dazu?

Ein Punkt auf den ich an anderer Stelle eingehen möchte ist sicherlich die Vorbereitung. Habe ich beim Lernen ständig einen Stapel zu erledigender Dokumente im Blick, dann steigt mein Bedürfnis mich dieser zwar unangenehmen, dennoch weniger schlimmen Tätigkeit anzunehmen. Ein anderer wesentlicher Punkt ist in dieser Beziehung bei mir sicherlich auch die Pause. Denn das ist die Zeit sich den angenehmen Tätigkeiten zuzuwenden, mal schnell in den Chat zu schauen, zu surfen, eine Runde zu Spielen undsoweiter. Aus der kurzen Unterbrechung wird jedoch häufig eine etwas längere Unterbrechung und wenn ich schon dabei bin… das nennt sich soweit ich weiß Dammbruch (die eine Zigarette nach der Rauchfreiheit, das eine Stückchen Schokolade während der Diät) und sorgt bei motivierten Studenten mit der Zeit dazu, dass sich eine Art Angst vor der Pause entwickelt. Die Pause ist plötzlich eine Versuchung, also beginne ich zu Beginn der Pause dami damit zu überlegen was ich denn machen könnte ohne in die Pausenfalle zu tappen. Oft genug resultiert dies auf einen Pausenverzicht, oder die angestrebte Pausenzeit wird mit Überlegungen, was ich denn machen könnte verbracht, was quasi ebenfalls einem Pausenverzicht entspricht, oder ebenso unpraktisch: Dammbruch und jetzt erst recht Pause…

In solchen Situationen vermisse ich manchmal die Konsequenz mancher Raucher. Die konsequente Häufung der Pause, genau zu wissen wie der Eintritt in die Pause abläuft und während dem Rauchen in Ruhe Zeit zu überlegen was aus der Pause wird, die Zigarette an sich ist ja prinzipiell schon Belohnung genug. Nebenbei bewegt man sich als Raucher auch häufig vom Arbeitsplatz weg und aus der Arbeitsposition heraus, was im Falle vieler anderer Pausenbeschäftigungen nicht der Fall ist. Dies inspirierte mich zu einem Pausensystem: Ideensammlung.

Neben meinen Lernunterlagen habe ich eine Sammlung kleiner Zettel mit Ideen für den Pauseneinstieg. Dies sind bei mir hauptsächlich kurze Sport- und Bewegungsübungen, wie kreative Tätigkeiten. Auch Einträge wie Fünf Minuten spazieren gehen oder 5-10km Laufen gehen sind darunter zu finden. Habe ich das Gefühl eine Pause wäre angebracht suche ich mir eine Tätigkeit aus der Sammlung aus, führe sie aus und lege den Zettel anschließend auf den erledigt-Stapel. Was hat das für Vorteile? Der Pauseneinstieg ist klar definiert, ich habe eine Auswahl auch kurzer Tätigkeiten vom Umfang einer Raucherpause, ich muss mir nicht erst Gedanken darüber machen was ich machen möchte, sondern lediglich entscheiden, ich entferne mich von Arbeitsplatz und Arbeitshaltung, ich aktiviere das Belohnungssystem und kann entspannt entscheiden ob ich die Pause kurz halte oder noch einer anderen Tätigkeit nachgehen möchte. Die Nebeneffekte sind bei mir für mich ziemlich überraschend: mein Süßigkeitenkonsum hat sich deutlich reduziert, meine Pausen fallen deutlichst kürzer aus, dafür finden sie häufiger statt und ich habe ab und zu Muskelkater =)

Nach dreiwöchiger Praxiserprobung hat sich die Ideensammlung wirklich bewährt, wird ständig erweitert, ergänzt, aussortiert oder umsortiert. Nebenher haben sich noch weitere Pausenstrategien bewährt:

Aufräumen
In jeder Pause räume ich meinen Arbeitsplatz auf. Ob ich dabei lediglich Papiere in den Papierkorb bringe, frische Getränke hole, nicht mehr gebrauchte Bücher versorge oder ganze Vorlesungsaufschriebe wieder einhefte, ich kann nach jeder Pause auf einen vorbereiteten Arbeitsplatz zurückkehren, oder diesen spontan an die frische Luft verlegen.
Termine/ToDos
Ich muss unbedingt daran denken, dass… Was ist heute eigentlich für ein Tag… Muss der Mülleimer heute oder morgen raus? All diese Gedanken stören nur, deshalb raus damit auf Kalender, Wochenplaner und ToDo-Listen, welche nur in der Pause begutachtet werden. Somit habe ich beim Lernen Ruhe, verliere nicht den Überblick und kann mich darauf verlassen, dass ich nichts übersehe.

Also keine Angst mehr vor der Pause, sondern häufig und effektiv Kurzzeitgenießen, die Lernsituation verbessern und den Kopf frei halten.

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